Sakrament der Versöhnung (Beichte)

 
Das „Bußsakrament“ ist das „vergessene Sakrament“ oder in vielen Köpfen auch das „ungeliebte Sakrament“. Zahlreiche Menschen verbinden damit negative Erfahrungen (meist aus ihrer Kindheit). Für andere bleibt dieses Sakrament eine einmalige Sache, als man vielleicht vor der Erstkommunion zum ersten (und letzten) Mal den Beichtstuhl oder den Beichtraum betreten hat. Man hat dieses „Übel“ notgedrungen in Kauf genommen, damit man zum Fest zugelassen wurde.
 
Wir wissen aber, dass ohne allgemeinverbindliche Grundnormen kein lebenswertes Leben möglich ist. Lüge zum Beispiel zerstört Vertrauen, nährt Misstrauen, Unsicherheit, Verdacht. Weil Gott die Menschen liebt, hat er ihnen Hilfen der Orientierung geschenkt. Die erste und entscheidende Orientierungshilfe ist das Gewissen, die „Stimme Gottes“ in uns. Sie warnt vor Falschem und spornt zum Guten an. Allerdings kann diese innere Stimme unterdrückt werden, Menschen können sich täuschen und auch selbst belügen. Daher stellt Gott dem Gewissen Gebote und Normen als Orientierungshilfe und Maßstab zur Seite. Diese weisen auf das hin, was gut für mich selbst und meinen Nächsten ist. Sie öffnen die Augen für Bedürfnisse, Rechte und Ansprüche der Menschen neben uns.
Doch jeder Mensch, der zu sich selber ehrlich ist, weiß, dass im Leben Fehler vorkommen. Vieles kann ich wiedergutmachen und aus der Welt schaffen; es gibt aber auch Fehler und Fehlentwicklungen, aus denen ich aus eigener Kraft nicht herauskomme und für die ich mich schuldig fühle.
Theologisch spricht man von Sünde: Sünde ist das, was einen Menschen zu Gott auf Abstand bringt. Das können nicht nur Dinge sein, die mit meinem persönlichen Verhältnis zu Gott zu tun haben, sondern auch Dinge von Mensch zu Mensch; denn nach der Botschaft Jesu begegnen wir in anderen Menschen auch Gott.
 
Dem Sakrament der Versöhnung liegt im Wesen die Erfahrung zugrunde, dass Gott barmherzig ist. Weil er es gut mit uns meint, schenkt er uns die Möglichkeit, unser Leben zu ändern und von vorn unbelastet zu beginnen. Ebenso hat dieses Sakrament einen tiefen seelsorgerlichen Charakter, da man in einem geschützten Raum auch Sorgen, Probleme und Fragen ansprechen kann, wo man sonst nicht weiß, wo man es loswerden kann. So gesehen müsste uns das Geschenk der Versöhnung eher freudig und dankbar stimmen, angesichts eines Gottes, dessen heilende und vergebende Nähe wir in diesem Sakrament erfahren dürfen.
 
Das Sakrament der Versöhnung ist ein konkreter Weg, uns mit uns selbst, miteinander und mit Gott auszusöhnen, immer wieder die Umkehr einzuüben und Gott als den Vater erfahren, dem wir ALLES anvertrauen dürfen und der uns bedingungslos liebt.
 
 
 
Empfang des Bußsakramentes
 
Das Sakrament der Versöhnung empfangen wir in einem Gespräch mit einem Priester, der dabei strikt an das Beichtgeheimnis gebunden ist und die Inhalte des Gesprächs nicht weitertragen darf. In diesem Gespräch geht es darum, auf Fehler und Fehlentwicklungen zu schauen, auf Dinge, die mich innerlich lähmen oder schwer auf der Seele liegen.
Am Ende des Gesprächs steht die sogenannte Lossprechung: Kraft seiner Vollmacht spricht der Priester: „Durch den Dienst der Kirche schenke dir Gott Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von all deinen Sünden. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
 
In der Regel bieten wir vor den Hochfesten Weihnachten und Ostern im Anschluss an die vorbereitenden Bußfeiern das Sakrament der Versöhnung an.
 
Die regelmäßigen Beichtzeiten entnehmen Sie bitte der Gottesdienstordnung oder wenden sich direkt an einen der Priester.